Experteninterview: Personal Trainerin Tanja über Work Life Balance

Eine gute Work Life Balance hat viel mit der Gestaltung unserer Freizeit zu tun und wie wir diese als Ausgleich zur Arbeit nutzen können. Doch auch unser Körper braucht einen Ausgleicht wenn wir täglich vor dem Bildschirm sitzen. Wir haben Tanja, Dipl. Personal Trainerin SPA aus Uster, ZH zu diesen Themen befragt.

Tanja, was macht eigentlich eine Personal Trainerin?

Ein Personal Trainer oder eine Personal Trainerin ist ein Gesundheits- und Fitnessexperte, normalerweise im Bereich Privatlektionen oder einer kleineren Gruppe von Kunden. Ein kompetenter Personal Trainer zeichnet sich ausserdem durch Basiswissen im therapeutischen, teilweise medizinischen Bereich, sowie durch gute Kenntnisse in der Ernährung aus und übernimmt eine beratende und begleitende Funktion im Bereich Sport und Ernährung. Sein Trainingsplan ist darauf ausgerichtet, das Ziel seines Kunden unter Berücksichtigung von dessen Gesundheit zu erreichen und auch zu halten.

 

Und was hat das mit Work-Life-Balance zu tun?

Sehr viel. Bei der Arbeit sind wir häufig Stress ausgesetzt. Der Körper produziert in Stresssituationen vermehrt das Hormon Cortisol, welches sich negativ auf den Körper auswirken kann. Durch Sport und Bewegung können wir den Cortisolspiegel wieder abbauen und werden wieder ausgeglichener. Ausserdem ist Bewegungsmangel heutzutage ein grosses Stresspotential für den Körper. Wir sind anatomisch nicht dazu geschaffen, täglich mehrere Stunden zu sitzen. Auf Dauer macht uns das krank.

 

Kann ich das nicht einfach mit einer Joggingrunde nach Feierabend kompensieren?

Grundsätzlich gibt es dagegen nichts einzuwenden. Bewegung ist gut und nötig für eine optimale Work Life Balance. Nur leider reicht das nicht. Gesundheitsorientierter Sport muss individuell an den Menschen, der ihn betreibt, angepasst sein. Das heisst, wenn jemand im Büro arbeitet muss er andere Dinge berücksichtigen als beispielsweise ein Bauarbeiter. Joggen deckt nur einen Teil des Ganzen ab.

 

Was meinst du mit „das Ganze“?

„Das Ganze“, das ist der ganze Körper, alle Muskeln müssen in Balance sein. Beim Büroarbeiter sind häufig Nacken, Rücken, Bauch- oder Beinmuskulatur aus dem Ruder geraten. Durch das viele Sitzen können sich diese Muskeln in der Spannung verklemmen, andere werden durch die Sitzhaltung pausenlos überdehnt oder schwächen sich ab. Unser Körper gerät also quasi aus dem Gleichgewicht, die einen Muskeln sind konstant unter Spannung, andere haben gar nichts zu tun und drohen zu verkümmern. Dieses Ungleichgewicht müssen wir gezielt wieder ausgleichen, um keine langfristigen Schäden zu provozieren. Der Bauarbeiter jedoch hat eher ein zu viel an Bewegung oder in diesem Fall eben schon eine Überbelastung, bei ihm muss man anders ansetzen.

 

Kannst du genauer beschreiben, was beim Büromenschen passiert?

Durch zu langes Sitzen fährt unser Stoffwechsel herunter. Die Durchblutung läuft schlechter, das Gehirn bekommt weniger Sauerstoff. Der Kalorienverbrauch sinkt drastisch, die Magen-Darm Funktion wird beeinträchtigt und Stresshormone bleiben im Körper stecken. Sport aktiviert hingegen den Kreislauf, regt die Durchblutung an und bringt frischen Sauerstoff ins Gehirn und den gesamten Körper. Der Magen-Darm-Trakt bekommt wieder mehr Platz und dank der besseren Durchblutung arbeitet und funktioniert die Verdauung optimaler. Stresshormone verabschieden sich.

Dann wäre da noch die Muskulatur, ein Teil des sogenannten aktiven Bewegungsapparates:

Wir sitzen zu lange. Der Körper passt die Muskeln ans Sitzen an: Verspannt hier einen Muskel, baut dort einen anderen etwas ab und bringt uns damit aus unserem anatomischen Gleichgewicht. Beispiel Rumpfmuskulatur: Im Sitzen werden die Rumpfmuskeln kaum benutzt. Sitzen wir täglich stundenlang baut sich diese ab. Eine schwache Rumpfmuskulatur kann die Wirbelsäule nicht ausreichend stützen. Auch die Bandscheiben werden weniger gehalten, sie sind auf starke Muskeln angewiesen. Ein schwacher Muskel kann ausserdem die gesamte Körpertruktur negativ beeinflussen und weitere Muskeln "verziehen". Wieso habe ich jetzt Rückenschmerzen? Und dies ist nur ein Beispiel von den möglichen Auswirkungen.

Diese Ungleichheiten kann man zu einem grossen Teil durch gezieltes Training korrigieren und somit wieder ein harmonisches Gleichgewicht und eine gesunde Muskulatur erreichen.

 

Heisst das jetzt konkret, wir sogenannten „Wissensarbeiter“ sollten besser mehr Kraftübungen machen?

Unter Anderem ja. Aber eben nicht bei allen Muskelgruppen gleich intensiv. Wenn wir einen ohnehin schon verspannten Muskel noch zusätzlich auftrainieren kann das die Situation verschlimmern.

 

Stichwort Gleichgewicht: Geht es im Personal Training also hauptsächlich darum, das Gleichgewicht im Körper herzustellen wenn du jemanden trainierst?

Es kommt auf dein individuelles Ziel an. Ich arbeite mit meinen Kunden auf ihre persönlichen Ziele hin, ob das ein Marathon ist, Muskelaufbau, abnehmen usw. Aber ja, die Basis sollte ein möglichst gutes Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten des Bewegungsapparats sein. Wenn du auf einen Marathon trainierst, aber keine starke Rumpfmuskulatur hast, geht früher oder später etwas kaputt.

 

Und wenn ich ein- bis zweimal die Woche ins Fitness gehe?

Das ist sicher gut, aber wie gesagt, nur ein Teil des Ganzen. Wenn du zweimal die Woche ins Fitness gehst und ein Ganzkörper-Work Out absolvierst, bekommst du vielleicht mehr Muskeln, aber die Dysbalancen bleiben. Dein Bizeps wird vielleicht grösser, aber bei der Arbeit brauchst du vielleicht einen starken Rücken, um keinen Bandscheibenvorfall zu riskieren. Ein Personal Trainer kann dich da individuell abholen und beraten und begleitet dich, passt das Training regelmässig an…

 

Was empfiehlst du? Lieber täglich ein bisschen oder alle paar Tage ein grosses Training?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie oft und wie lange man trainiert hängt oft von der zur Verfügung stehenden Zeit des Sportlers ab. Man sollte richtig trainieren, das entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

 

Sagen wir mal, ich mache täglich Kraftübungen im Büro. Mal ehrlich, wer will sich schon so vor seinen Arbeitskollegen exponieren? Hast du dazu Tipps?

Es muss nicht immer ein stündiges Training sein. 10 Minuten Kraft- oder Ausdauerübungen über Mittag, ein paar Liegestütze an einem abgeschirmten Ort, 20 Minuten nach Feierabend… Oder man macht gleich mit den Kollegen eine Sportgruppe, dann lassen sich Kraftübungen auch im Büro durchführen und es ist erst noch ein tolles Teambuilding. Während der Arbeit sollte man öfters mal aufstehen, sich strecken, umhergehen. Den Drucker weit weg positionieren, beim Telefonieren einen Spaziergang machen. Wer das Glück hat einen Sitz-/Stehtisch zu besitzen, der sollte ihn auch nutzen!

 

Abschlussfrage: Was sollte man Deiner Meinung nach verbessern in der heutigen Arbeitswelt?

Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz muss heutzutage zur Standardeinrichtung gehören und von den Mitarbeitern genutzt werden. Besonders in Grossunternehmen sollte ein entsprechendes Angebot an Bewegungsmöglichkeiten, Fitnesskursen für Mitarbeiter usw. verfügbar sein. Ein Unternehmen kann auch einen Personal Trainer zu sich einladen, um regelmässig einen entsprechenden Kurs abzuhalten. Besonders Mitarbeiter in Führungspositionen würden davon enorm profitieren, da diese häufiger Stressfaktoren ausgesetzt sind.

Bei KMUs gestaltet sich die Sache schwieriger, weil die Strukturen einfach anders sind als bei grösseren Unternehmen. Schlussendlich muss jeder auch einfach an seine Eigenverantwortung appellieren. Unsere Gesundheit ist das höchste Gut und daran sollten wir immer denken!

 

Vielen Dank für Deine Zeit!


 

It’s up to you Personal Training begleitet jeden, der ein sportbezogenes Ziel erreichen möchte oder einfach seinen Körper wieder in Balance bringen will. It’s up to you Personal Training ist ausserdem spezialisiert auf die Bereiche Sport in und nach der Schwangerschaft sowie Kampfsport und Selbstveteidigung.

Mehr Informationen zu Personal Training und dem Angebot von it’s up to you finden Sie auf www.itsuptoyou.ch.

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