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Licht und Dunkel: Eine Büro-Weihnachtsgeschichte

„Es schneit draussen! Stellt euch vor, es schneit!“ Die Neuigkeit verbreitet sich rasant im Büro, denn wie lange ist es her, dass wir hier im Schweizer Mittelland tatsächlich weisse Weihnachten feiern durften? So richtig daran erinnern mag sich keiner der Bürobelegschaft. „Das wird ein richtig schönes Weihnachtsfest!“ meint die Teamassistentin zur Kollegin vom Personalbüro, als sich die beiden in der weihnachtlich dekorierten Kaffeeküche zur nachmittäglichen Klatschpause treffen. „Hast du denn alle Geschenke schon bereit…? Ach ich muss unbedingt heute Abend nochmals los, mir fehlt noch was für meinen Bruder und seine Frau…“ Es wird geschwätzt und gelacht, die Stimmung ist ausgelassen und voller Vorfreude, so richtig arbeiten mag an diesem Spätnachmittag des 23. Dezember keiner mehr.

Und einer steht da in der Ecke, geschmückt mit prächtig glänzenden Kugeln, über und über bestreut mit Lametta und voller leuchtender LED Kerzen: der Büroweihnachtsbaum. Vergnügt hört er den beiden Frauen bei ihrer Diskussion zu. Er könnte stolzer nicht sein. Schliesslich ist er in seinem Weihnachtskleid Sinnbild des anstehenden Festes und zaubert mit seinem prachtvollen Anblick den Büromenschen seit einigen Wochen ein Lächeln auf die Lippen, wenn sie die Kaffeeküche betreten. Was für eine würdige Arbeit für einen Tannenbaum! Es war immer sein Traum gewesen, irgendwann einmal im Büro zu arbeiten.

So vergeht der Nachmittag, draussen schneit es dicke Flocken vom Himmel und die Menschen eilen durch die weihnachtlich geschmückten Strassen. Das Büro leert sich langsam, Weihnachtswünsche werden durch die Gänge gerufen, die Leute fahren ihre PCs herunter und räumen ihre Schreibtische auf. In ihren warmen Mantel gehüllt, die Mütze schon auf dem Kopf kommt die Team-Assistentin nochmals in die Kaffeeküche und schaut den Weihnachtsbaum lange an. Dieser freut sich und streckt seine Nadeln so fest er kann von sich, um noch prächtiger zu wirken. Die Team-Assistentin lächelt sehnsüchtig – was für ein schöner Weihnachtsbaum! Ihr Blick wandert am Baum entlang nach unten und weiter der Wand nach, bis zur Steckdose. Der Weihnachtsbaum ahnt Schlimmes. Sie wird doch nicht…! Nein, sie DARF nicht…! Nein bitte, LASS MICH LEUCHTEN! Der Weihnachtsbaum schreit lauthals, er bäumt sich auf in seinem Gefäss und schüttelt sich, dass die Kugeln leise klirren.

Plötzlich ist es dunkel.

Sie hat es getan. Sie hat den Stecker gezogen. Zurück bleibt ein geschockter, kleiner Nadelbaum. Vorbei ist es mit seiner Pracht, er fühlt sich plötzlich nackt und kalt. Traurig lässt er die Äste hängen, die Kugeln rutschen ein paar Nadeln weiter runter. Der kleine Baum seufzt. So hat er sich Weihnachten wirklich nicht vorgestellt. Jetzt weiss er, was seine Freunde in der Baumschule gemeint hatten, als sie sagten, das Büro sei ein undankbarer Ort für einen Weihnachtsbaum.

Nur das Notausgangsschild leuchtet noch giftig grün und von oben herab auf den kleinen Baum, es ist blanker Hohn. Von draussen klingen Weihnachtslieder ins Bürogebäude, die Sternsinger sind unterwegs. Das Bäumchen zittert. Es ist, als ob ihm plötzlich die eisige Kälte von draussen direkt in die Äste kriechen würde. Still und klein steht es in seiner Ecke und wartet. Wartet… worauf? Die Stunden vergehen, draussen wird es still und dunkel. Die Weihnachtsbeleuchtung der Geschäfte wird ausgemacht, irgendwann erlischt selbst die Strassenbeleuchtung. Der Mond versteckt sich hinter den dicken Wolken, aus denen es endlos zu schneien scheint. Traurig beschliesst der kleine kugelbehängte Nadelbaum, dass es wohl an der Zeit ist, zu schlafen.

 

Samstag, 24. Dezember

Der kleine Baum wird von lautem Gepolter geweckt. Der Weihnachtsmann?? Er lauscht. Nein, es ist die Putzfrau, ihr muss wohl etwas runtergefallen sein. Fröhlich summt sie Weihnachtslieder, während sie sorgfältig die Arbeitsplätze der Belegschaft abstaubt. Der Baum kennt den Ablauf, schliesslich kommt sie jeden Samstag zum Putzen. Aber dass sie sogar heute hierher kommt, damit hätte er nicht gerechnet. Langsam kommt sie näher, er weiss, dass die Kaffeeküche ihre nächste Station ist. Mit jeder Minute wird der kleine Baum aufgeregter! Er sehnt sich nach etwas Gesellschaft, denn die letzte Nacht war schlimm für ihn, so kalt und einsam… Endlich öffnet sich die Tür und die Putzfrau betritt den Raum. Sie geht am Baum vorbei zum Spülbecken, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Der Tannenbaum lässt enttäuscht die Krone hängen. Doch als sie sich wieder umdreht, fällt ihr Blick in seine Richtung. „Was für eine Schande!“ hört er sie sagen, „einen so schönen Weihnachtsbaum muss man doch leuchten lassen!“ Entschlossen steckt sie den Lichterkettenstecker wieder in die Dose. „So, jetzt leuchtest du für mich an Weihnachten! Es wäre eine Schande, dich hier einfach im Dunkeln sitzen zu lassen.“

Der Weihnachtsbaum strahlt! Er strahlt so sehr, dass seine Lichter noch heller werden und sich über und über in den glänzenden Kugeln spiegeln. „Heute ist der 24. Dezember und ich bin der schönste Büroweihnachtsbaum der Schweiz!“ denkt er sich stolz, während die Putzfrau summend die Kaffeeküche verlässt. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk hätte sie dem kleinen Baum nicht machen können.

 

Wir wünschen Ihnen allen Frohe Weihnachten!

Ihr JOMA Team

 


Über den Autor

Nadja Sternik

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