Serie Gesundheit 1. Teil: Der Büroalltag und seine Gefahren für den Bewegungsapparat

Von Tanja, Dipl. Personal Trainerin SPA bei it's up to you:

Wir sitzen und sitzen und sitzen… Ihr wisst wahrscheinlich, dass viel sitzen ungesund ist. Ihr habt vielleicht schon einmal den Satz gehört "Sitzen ist das neue Rauchen". Findet ihr das übertrieben oder würdet ihr zustimmen? Wisst ihr, ob diese Aussage gerechtfertigt ist und was das Sitzen mit eurem Körper anstellt?  Ich zeige es euch:

Unser Körper passt sich an:

Zuerst mal vorweg: Unser Körper ist ein kleines, nein sogar ein sehr grosses Wunder. Er hat unglaubliche Fähigkeiten und kann sich selbst heilen, regenerieren und anpassen. Das zeigt uns besonders ein Blick auf die Evolution, haben wir uns unserer Umwelt doch über Jahrmillionen hinweg angepasst. Doch leider liegt genau da auch die Gefahr für unseren Bewegungsapparat.

Wenn wir Muskeln aufbauen wollen, bringen wir durch das Ausführen von Bewegungen unter schweren Gegenständen den Muskel dazu, sich zu vergrössern. Mit eben dieser Muskelvergrösserung und Verdichtung passt unser Körper sich an, um zukünftig besser für schwere Lasten gewappnet zu sein. Funktioniert. Hören wir auf zu trainieren, baut unser Körper diese Muskeln wieder ab. Wieso? Er merkt, dass die aufgebauten Muskeln nicht mehr gebraucht werden und, was früher überlebenswichtig war, spart damit wertvolle Energie. Der Unterhalt von Muskeln braucht nämlich sehr viel Energie und somit steht uns weniger zur Verfügung für Funktionen wie das Erzeugen von Körperwärme, Zellerneuerung und das Anlegen von Energiereserven (Körperfett) für schlechte Zeiten.

Dysbalancen unserer Muskeln

Unser Körper kann sich aber auch anders anpassen als nur durch Muskelauf- und abbau. Er kann den Bewegungsumfang der Muskeln zum Beispiel auch vergrössern. Dies bringen wir ihm bei, indem wir die Muskulatur regelmässig dehnen. Dehnen wir nicht mehr, wird der Bewegungsradius wieder kleiner. Muskulatur kann auch verkleben und sich so richtig verspannen, wenn sie nie gedehnt wird oder wenn sie regelmässig über längere Zeit in einer bestimmten Haltung verharrt. Dies geht dann so weit, dass der Muskel unter ständiger Spannung steht und andere, mit ihm verbundene Muskeln in Mitleidenschaft zieht.

Im Idealfall besitzen wir einen Körper, der aus starken Muskeln besteht, welche auch einen relativ grossen Bewegungsumfang haben, beide Eigenschaften sollten einigermassen gleichmässig auf alle Muskelgruppen verteilt sein. Sind sie aber nicht, wenn wir mehrere Stunden täglich sitzen. Der Körper und somit die Muskeln passen sich nämlich der Sitzhaltung an. Seht euch mal die unten folgende Grafik an, ich gebe euch ein Beispiel: Der Brustmuskel wird kürzer (oder eben verspannt und verklebt), da er immer zusammengedrückt ist. Mit der Zeit bereitet uns unser verkürzter Brustmuskel Probleme, da er die Schultern nach vorne zieht und somit mal ganz nebenbei die gesamte obere Rückenpartie ebenfalls. Der Rücken wird im Gegensatz zum Brustmuskel durch die Sitzhaltung eher zu stark in die Dehnung gezogen. Jetzt schaut euch den Nacken an, dieser ist meist zu sehr unter Spannung denn dadurch, dass der Brustmuskel uns vorne zusammensacken lässt, müssen wir den Kopf leicht nach oben neigen um gut auf den Bildschirm zu sehen.

Dies sind nur einige der vielen Muskelpartien, die aus der Balance geraten. Deshalb spricht man von „Muskulären Dysbalancen“. Je mehr Dysbalancen sich auf diesem Weg manifestieren, desto mehr leiden wir. Längere Zeit zu sitzen ist nicht in unserem anatomischen Programm vorgesehen. Unsere natürliche Haltung ist das Gehen. In der Steinzeit mit einem Durchschnitt von 27km täglich. Heute sind es lausige 600 m im Durchschnitt.

 

An diese Körperhaltung passt sich euer Bewegungsapparat an, wenn ihr regelmässig lange sitzt:

 

Die Auswirkungen auf den Kreislauf

So viel zu den Auswirkungen des Sitzens auf die Muskeln. Vergessen wir nicht den Kreislauf unseres Körpers. Beim Sitzen wird das Blut behindert und fliesst schlechter durch den Körper. Der Venenrückfluss funktioniert nicht richtig, denn dieser läuft hauptsächlich durch die sogenannte Venenpumpe: Die Beinmuskulatur hilft den Blutgefässen durch ihre Kontraktion beim Gehen, das Blut zurück zum Herzen zu pumpen. Somit versackt das Blut beim Sitzen in den Beinen. Ausserdem fällt der Kalorienverbrauch rapide ab und der gesamte Stoffwechsel macht auf Sparflamme. Alles Dinge, die Diabetes und Gefässkrankheiten begünstigen, bis hin zum Herzinfarkt. Ist jetzt Sitzen das neue Rauchen? Ich sage klar: Ja!

Was euch helfen kann

Das ist es, was in unserem Körper passiert, wenn wir zu oft zu lange sitzen. Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz, welcher auch das stehende Arbeiten erlaubt, sollte schon lange zum Grundinventar in Büros gehören. Ausserdem dürft ihr nicht vergessen, regelmässig herum zu gehen (zum Beispiel am Telefon) und eurem Körper seinen natürlich angeborenen Drang sich bewegen nicht vor zu enthalten, ob durch Sport oder längere Spaziergänge.

Schaut euch zum Beispiel mal diesen Artikel an.

Was die muskulären Auswirkungen betrifft, gilt es nicht zu vergessen, dass jeder Mensch anders gebaut ist und kaum jemand mit dem Bilderbuch-Körper, wie wir ihn in jedem Anatomie Buch sehen, auf die Welt kommt. Die Wirbelsäule, das Becken oder die Beine des 0815-Menschen sind hier etwas krumm und da etwas verformt. Jeder von uns hat seine kleineren Dysbalancen, was absolut natürlich ist. Doch werden aus kleinen - grosse Dysbalancen, wird es problematisch.

Die hier erwähnten Beispiele in Bezug auf die Muskulatur, sind die gängigsten und können von Person zu Person variieren und unterschiedlich ausfallen. Ausserdem gibt es keine Pauschallösungen. Dysbalancen sollte man immer mit Hilfe eines erfahrenen Trainers oder Therapeuten beseitigen.

Das Ziel sollte ein ausgeglichener, starker, aber entspannter Körper sein. Jeden Tag 8 Stunden und mehr zu sitzen, trägt absolut nicht zu diesem Ziel bei! Treibt Sport, werdet euch eures Körpers bewusst! Sitzt, steht, streckt euch, geht jeden Tag so oft wie möglich herum und besorgt euch ergonomische Büromöbel! Und eine gute Trainerin… ;)

Danke fürs Lesen! Ich freue mich auf eure Kommentare zum Thema.


 

It’s up to you Personal Training begleitet jeden, der ein sportbezogenes Ziel erreichen möchte oder einfach seinen Körper wieder in Balance bringen will. It’s up to you Personal Training ist ausserdem spezialisiert auf die Bereiche Sport in und nach der Schwangerschaft.

Tanja von it’s up to you ist Dipl. Personal Trainerin SPA und hat langjährige Erfahrung in diversen Sportarten und viele Jahre Berufserfahrung im Sportbereich. Tanja betreibt seit Jahren intensiv diverse Kung Fu Stile, lernt zurzeit auch Muay Buran, Boxen und MMA und ist in Uster als Kinder Kung Fu Instruktorin tätig. Mehr Informationen zu Personal Training und dem Angebot von it’s up to you finden Sie auf www.itsuptoyou.ch.

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